1 February 2009

Draußen wartet der Tod

Eine theoriegeleitete Dokumentation zur Inkommensurabilität einer Fotografie der Toten und sprachlicher Reflexion über den Tod

Diplomarbeit | Kommunikationsdesign | Düsseldorf | Januar 2009

Es ist ein Missverständnis, dass der Schrecken in den Bildern des Todes liegt. Vielmehr ist der Schrecken die unmittelbare körperliche Erfahrung dessen, was das Bewegende der Bilder in uns auslöst. Die Angst vor der Ungeheuerlichkeit des Todes ist auch die Angst vor dem Ungeheuren der Bilder. Um also den Tod auf Seiten der Lebenden in das Gedächtnis zu rufen, bedarf es Aufmerksamkeit auf diese Bilder und damit auf das von Menschen gemachte Ungeheure.

So wird in der Neuzeit die notwendige Erinnerung zunehmend über das technische Bild vermittelt: Dabei verbindet sich in der Fotografie paradoxerweise der Anspruch nach unbedingter Authentizität der Abbildung mit der so schmerzhaft erfahrbaren körperlichen Unerreichbarkeit der anderen, der magischen Seite der Bilder. Zugleich sind wir beruhigt, denn hier scheint gut aufgehoben, was als kulturelles Gut das Leben begleitet, bis dieses selbst in der Aufzeichnung für die Hinterbliebenen zur Erinnerung wird – und wir können diese Bilder vergessen, indem wir sie nicht anschauen.

Aber ist die Erinnerung nicht selbst eine technische, wenn sie auf technischen Bedingungen begründet ist? Ist nicht das Erinnern immer an eine Aufzeichnung gebunden und somit nicht auch die Aufzeichnung zugleich eigenständige Erinnerung, die für sich den Tod überwindet, eben weil sie ihn zeigt? Von der Semantik einer Kultur des Erinnerns zieht es daher die Aufmerksamkeit auf die technische Syntax der Medien, in deren Spur sich ebenso die Bedingung für das Erinnern und damit für die Begründung der Kultur als Annahme der Herausforderung durch den Tod finden lässt.

Diese Spur zeigt sich deutlich an der Rückseite der Fotografie: Die Unmöglichkeit der Überwindung der Differenz zwischen der geschriebenen Sprache und dem gesprochenen Wort entspricht dem sichtbaren Scheitern des Versuchs der Sprache, die technischen Bilder zurückzuholen durch Beschriftung an ihnen. In dieser Lücke zwischen Bild und Sprache als Bedingung für das kulturelle Menschsein findet sich nicht nur die Lust an der sprachlichen Arbeit mit den Bildern, die sich an der Berücksichtigung dieser Differenz messen lassen muss; in dem gefühlten Widerstand, der sich bei der Unmöglichkeit der Überwindung einstellt, wird für uns auch die die Ahnung des eigenen Todes zur Gewissheit. Als Antrieb und zugleich als Entgegnung stellt diese Todesbefallenheit der Welt dem Kulturwesen Mensch erst die eine Möglichkeit bewusst zu Handeln und damit ein Bewusstsein zu haben.

Der Mensch ist damit gemacht – und wird zugleich über die Medien machbar. Es sei denn wir erinnern uns nicht mehr – verweigern oder verlieren das Gedächtnis. Das Vergessen ist der unterlassene Versuch diese medialen Differenz zu überwinden, während Erinnerung bewusste Entgegnung mit dem Dazwischen ist, die so zur Begegnung mit der Möglichkeit des eigenen Todes wird. Dieses Dazwischen zeigt sich machtvoll in der Bewegung, die zur Rückseite der Bilder führt und an der sich die Gestaltung der vorliegenden Arbeit erarbeitet: Gestaltung muss sich hier als bewusste Konfrontation mit dem Tod verstehen. Zugleich sind die Bilder vom Tod die Quelle des Antriebs gegen das Vergessen. Die Auswahl der Bilder ist das Entscheidende – eine Auswahl die den Zufall der Zuhandenheit eines Bildes ebenso annimmt wie die aus der affektiven Betroffenheit resultierende subjektive Anteilnahme am Tod des Anderen. In der Folge stellt sich der eigene Text dem Tod in fremden Bildern und Texten.

Der Reiz entsteht in dem Zwischenraum den die Erosion der ohnehin spekulativen Linearität der geschriebenen Sprache hinterlässt: Bilder sind kein Zuträger oder lassen sich ernsthaft auf einen illustrativen Beigeschmack reduzieren, sie brechen schon durch den aus ihnen erfahrbaren Antrieb mit der Struktur der Texte und sie verlangen nach ihrer Rückseite und damit nach dem Raum der ihnen zusteht in einer solchen Dokumentation. Aus der Simulation der Erscheinungsform von analoger Fotografie wird so eine Archäologie der technischen Bilder – aus deren Stillstand heraus erst die Totalität der Geschwindigkeit der Bilder des Jetzt erkennbar wird: Wer sich mit der Betrachtung des Vergangenen in die Gegenwart hinein bewegt, findet sich in der aktuellen Bildforschung wieder. Das besondere Bild vom Tod ist da nur ein Sonderfall im Leben mit den Bildern.

Die Suche nach der Bestätigung der eigenen Lebendigkeit durch die Behandlung des Todes ist eine bewusste gestalterische Arbeit an uns selbst, und damit ernste Gestaltung, die selbstbewusst um keinen Anwalt mehr verlegen zu sein braucht.

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10 July 2016

BLUE WAY GALAXY

Archaeological Progression | Analog Medium Format | Iceland | 2016 | Work in Progress

10 June 2016

WE ALIENS ALL SUCK

It’s all because we happened to see clearly where we had to navigate although the situation was dreary. Everything considered to be verifiable, everything correct, every number a connection. But unfortunately, life is not.

Archaeological Progression | Analog Medium Format | Wild Blue Yonder | Rubber Mask | Iceland | Belgium | 2015/16 | Work in Progress

17 September 2014

IN NORWAY IT’S EASY TO BE EVIL

Der Untergang des Abendlandes vollzieht sich in elliptischen Schwingungen. Und obwohl selten genug offen sichtbar, wird der Effekt des Realen letzten Endes jeden mit vernichtender Brutalität treffen.

Archaeological Progression | Collaborative work with Kurt Heuvens | Düsseldorf | Germany | 2014

15 May 2014

BEACH MOONING

Archaeological Progression | Analog Medium Format | Zeebrugge | Belgium | 2014/15

21 April 2014

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Yohakupeeji | Japan | 2014

THE IMMACULACY OF MOCKUP

Opening Reception
on Friday | May 30th 2014 | 4 p.m.

May 30th to July 20th 2014

At Gallerí Klúka/Pool House | Hótel Laugarhóll | Bjarnarfjörður | 510 Hólmavík | Iceland | http://www.laugarholl.is/

28 November 2013

DANSE MACABRE

»A Nicaise de Cambray, paintre, demourant en la ville de Bruges quant il a joué devant MdS en son hostel avec ses autres compaignons, certain jeu, histoire et moralité sur le fait de la danse macabre.«
Reenactment | Zeebrugge | Belgium | 2013

24 September 2013

MOCKUP

Digital Images Mounted on Board Icosahedron | Analog Medium Format | Zeebrugge | Belgium | 2013/14

6 August 2013

Human Remains

Archaeological Progression | Denmark, Iceland | 2013

6 August 2013

Archäologische Progression

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